Zweimal Hrvoje Horvat – und viel Handball-Sachverstand: Der Vater war Olympiasieger 1972 in München, Welthandballer und führte den TV Willstätt in die Bundesliga; der Sohn ist seit Ende Januar Kroatiens Nationaltrainer. ©Privatfoto

Wenn Kroatiens Handballer vom 12. bis 14. März in Montpellier gegen Gastgeber Frankreich, Portugal und Tunesien um zwei Olympia-Tickets für die Spiele im Sommer in Tokio spielen, dann schauen auch einige Fans aus der Ortenau interessiert Richtung Südfrankreich. 

 

Der neue Nationaltrainer Kroatiens ist kein Unbekannter in der Region zwischen Schwarzwald und Rhein: Hrvoje Horvat. Der 43-Jährige ist der Sohn des früheren Trainers des TV Willstätt mit gleichem Namen – beide werden zudem „Cveba“ gerufen. 

Willstätt in die 1. Bundesliga geführt

Horvat senior, als Welthandballer und Olympiasieger von 1972 in München eine Handball-Legende, trainierte die Hanauerländer drei Jahre und führte sie 1999 in die Bundesliga, bevor er nach einem schlechten Saisonstart im deutschen Handball-Oberhaus gehen musste. Anschließend war der studierte Verkehrs-Richter noch Trainer in Melsungen und Coburg. 2013 kehrte Horvat in seine kroatische Heimatstadt Bjelovar zurück, wo der 231-fache jugoslawische Rekord-Nationalspieler  auch ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Dunja immer noch lebt. Inzwischen 74 Jahre alt, sind seine Kontakte in die Ortenau nie abgebrochen. 

Sein Sohn Hrvoje, der noch zwei ältere Schwestern hat, hat dagegen nie in der Ortenau gelebt, sondern wuchs in der Willstätt-Zeit seiner Eltern bei seinen Großeltern in Bjelovar auf – kam jedoch hin und wieder zu Besuch nach Deutschland. 

Gene des Vaters geerbt

 

Horvat junior hat aber die Handball-Gene seines Vaters geerbt, spielte selbst 16-mal für Kroatiens Nationalmannschaft, war zweimal kroatischer Meister mit Badel Zagreb, Beachhandball-Welt- und Europameister und hatte auch zwei kurze Stippvisiten als Handball-Profi in Deutschland: 2003/2004 beim Regionalligisten DHK Flensborg und 2004 beim Bundesligisten und Rhein-Neckar-Löwen-Vorgänger, SG Kronau-Östringen. 

Vorzug vor Balic und Goluza

2008 startete Horvat junior seine Trainerkarriere in Dubrava. 2016 übernahm er den kroatischen Spitzenklub RK Nexe, war allerdings zudem bereits seit 2012 für den kroatischen Verband als Trainer der Junioren und Kadetten tätig. 2017 wurde er dann Co-Trainer von Lino Cervar bei der kroatischen National-Mannschaft. Als der 70-jährige Cervar im Januar nach dem schlechten Abschneiden der Kroaten bei der Weltmeisterschaft in Ägypten das Handtuch schmiss, wurde Horvat junior sein Nachfolger. Dabei bekam der Vater eines Sohnes und einer Tochter den Vorzug vor den ehemaligen Bundesliga-Profis Ivano Balic und Slavko Goluza.

„Ganz heiße Kartoffel“

„Ich war anfangs überhaupt nicht begeistert, dass ­Hrvoje Nachfolger von Lino werden sollte. Die kroatische Nationalmannschaft ist eine ganz heiße Kartoffel. Sie hat bei der WM ganz mies gespielt, und die Olympia-Qualifikation ist auch nicht einfach“, erzählte „Cveba“ senior. Doch nach mehreren Gesprächen mit seinem Sohn, steht er voll hinter dessen Entscheidung: „Er sagte, er sei voller Energie, habe genügend Erfahrung und alle Spieler würden voll hinter ihm stehen. Außerdem weiß ich, dass er bislang gute Arbeit geleistet hat“, sagt Vater Horvat, der selbst einmal die Verantwortung für die kroatische Nationalmannschaft hatte. 

Beim ersten Handball-Länderspiel der Kroaten nach der Unabhängigkeit von Jugoslawien war „Cveba“ am 14. Januar 1991 in Zagreb Sportdirektor. Die Partie endete 23:23 gegen Japan. Assistenztrainer war damals Lino Cervar.

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