Die Entscheidung des Südbadischen Handball-Verbandes (SHV) für die Qualifikation zur Jugend-Bundesliga und Oberliga sorgt für Ärger und zwei Einsprüche. Kritik an Auswahlkriterien.

Das abrupte Saisonende durch Corona meisterte der Südbadische Handball-Verband (SHV) geräuschlos. Bei der Entscheidung über die Wertung im April gab es – wie versprochen – nur Sieger, keine Verlierer. Doch schon damals war klar: Bei der Jugend für kommende Saison wird es so einfach nicht werden. 

Punkteliste
Traditionell fanden bisher nach Ende einer Saison die Qualifikationsspiele statt. Weil die Entscheidungen derzeit sportlich nicht möglich sind, legte der SHV nun Entscheidungskriterien für A-JugendBundesliga bzw. B-Jugend-BW-Oberliga anhand einer von ihm selbst erstellten Punkteliste fest. Kriterium waren überwiegend die Ergebnisse der vergangenen drei Spielzeiten und die Kaderzugehörigkeit. Bisher spielten Mannschaften die Qualifikation aber in der Besetzung, in der sie auch die folgende Saison bestritten. Gegen die Entscheidung des SHV gibt es Einsprüche des TuS Schutterwald und der JSG ZEGO.

TuS Helmlingen in A-Jugend-Bundesliga
Der einzige Bundesliga-Qualifikations-Platz in der männlichen A-Jugend, der Südbaden zur Verfügung steht (Konstanz hatte sich direkt qualifiziert), ist an den TuS Helmlingen gegangen. „Unsere A-Jugend war vergangene Saison Südbadenliga-Meister vor Helmlingen, und die B-Jugend hat beide Spiele in der BW-Oberliga gegen Helmlingen gewonnen, auch wenn sie am Ende schlechter platziert war“, wundert sich Schutterwald-Trainer Martin Heuberger und vermisst als Kriterium den Blick in die Gegenwart bzw. Zukunft: „Da wird beispielsweise auch mitgewertet, dass die B-Jugend des TuS Helmlingen in der Saison 2018/19 im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft spielte, obwohl einige Spieler von damals heute gar nicht mehr dabei sind.“

Enttäuschung in Schutterwald
Man müsse bei der Jugend auch die Entwicklung einer Mannschaft in Betracht ziehen, betont der Junioren-Bundestrainer, und könne nicht nur „einen Stand von vor zwei, drei Jahren“ als Kriterium nehmen. Zudem zähle laut Punkteliste des SHV ein neunter Platz in der Bundesliga weniger als beispielsweise der erste Rang in der BW-Oberliga. „Es kann nicht sein, dass man schlechter gestellt ist, wenn man in der stärkeren Jugend-Bundesliga keinen der vorderen Plätze belegt“, moniert Heuberger weiter. 
Die Enttäuschung in Schutterwald ist groß. Nach den Wechsel von Dustin Ammel und Louis Ehret zur TuS-Jugend, die aber weiterhin auch bei ihrem Stammverein HTV Meißenheim spielen werden, ist Heuberger sicher, „dass wir eine gute Mannschaft hätten“. Allerdings: Zugänge fanden bei der Entscheidung des Verbands keine Berücksichtigung, weil sie in der Zukunft liegen.

Vergangenheit zählt mehr
Dass die Vergangenheit deutlich mehr als die Gegenwart zählt, stößt auch bei der JSG ZEGO auf heftige Kritik. Die Mannschaft errang ungeschlagen die Südbadenliga-Meisterschaft der weiblichen B-Jugend, erhielt nun nach dem Punktesystem der letzten Jahre aber keinen Platz in der BW-Oberliga. „Wir sehen uns ganz klar als Verlierer“, klagt Trainer Oliver ­Schmeyer. Während die SG Kappelwindeck/Steinbach direkt qualifiziert war, entschied die Punkteliste für die HSG Freiburg und den SV Allensbach. „Wir haben Allensbach in der vergangenen Saison zweimal deutlich geschlagen, haben die Saison zudem fast komplett mit dem jüngeren Jahrgang bestritten und haben zwei BW-Kaderspielerinnnen im Team“, zählt Schmeyer auf und kann – genau wie Heuberger – nicht verstehen, „dass rückwirkend drei Jahre herangezogen werden und nicht rein die aktuelle Mannschaft bewertet wird“. 

Dilemma
Ansgar Huck, der SHV-Vizepräsident Sport, zeigt grundsätzlich Verständnis für die Vereine, der Verband sei aber in einem Dilemma. „Auch wir als kleiner Verband müssen schauen, dass wir die stärksten Mannschaften nach oben bringen. Doch da wir keine Qualifikation spielen können, müssen wir Kriterien finden“, bittet Huck um Verständnis für die Ausnahmesituation.
Martin Heuberger versteht dagegen nicht, weshalb der SHV nicht noch abgewartet hat. „Die Saison wird vor Oktober wohl nicht beginnen. Meldeschluss für die A-Jugend-Bundesliga ist am 28. August. Bis dahin besteht die Möglichkeit, vielleicht doch noch die Entscheidung sportlich auszutragen. Andere Verbände machen das auch, auch um solche Punktewertungen außen vor zu lassen und den sportlichen Weg zu suchen“, hält er dagegen. 

Gesprächsbedarf
Heuberger sieht aber auch, dass eine solche Entscheidung immer schwierig ist und oft nicht zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann. „Wenn Entscheidungen am grünen Tisch fallen, kann man es nie allen recht machen. Aber sie sollten dann zumindest für alle nachvollziehbar, vor allem aber auch den sportlichen Belangen Rechnung tragen und sinnvoll sein“, findet Heuberger, der – Stand jetzt – mit seinem Team in der BW-Oberliga der A-Jugend antreten wird. Da der TSV Alemannia Zähringen seinen Platz in dieser neuen Liga zurückgegeben hat, wurde der nun der SG Ottenheim/Altenheim angeboten.
Ärger gibt es auch bei der männlichen B-Jugend. Die Plätze in der BW-Oberliga gingen an die HSG Konstanz und Schutterwald. Enttäuscht war in dem Fall der TSV Alemannia Zähringen. Die Freiburger haben zwar (noch?) keinen Einspruch eingelegt, aber Gesprächsbedarf angekündigt.

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